The Man in the Moon

Der Mann im Mond

Mascha Kaléko (1907-75)

Der Mann im Mond
Der Mann im Mond hängt bunte Träume, Die seine Mondfrau spinnt aus Licht, Allnächtlich in die Abendbäume, Mit einem Lächeln im Gesicht. Da gibt es gelbe, rote, grüne Und Träume ganz in Himmelblau. Mit Gold durchwirkte, zarte, kühne, Für Bub und Mädel, Mann und Frau. Auch Träume, die auf Reisen führen In Fernen, abenteuerlich. Da hängen sie an Silberschnüren! Und einer davon ist für dich.
The Man in the Moon
The Man in the Moon, he hangs bright dreams On evening-trees the livelong night. His happy Moonface grins. He beams! His Moonwife spins them, out of light, And some are gentle, some are bold And some are dreams of heaven’s blue Green yellow red and laced with gold For girls and boys and grown-ups too, And dreams that lead to voyaging, Adventures in the far unknown. Each hangs upon a silver string And there’s one dream that’s all your own.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Gurs

Gurs is a prison-camp in France

Adolf Unger (1904-42)

Gurs is a prison-camp in France
Sie liegen wie Klötze aus Schlamm, Auf Säcken mit Stroh gefüllt. Gegen ihr Leid ist kein Damm Gebaut, Not wird nicht gestillt. Sie hoffen und beten nicht mehr. So liegen und warten sie auch. Ihr Leben ist schal und leer, Ein Nichts, ein Hauch, Manchmal schrecken sie auf, Gedrückt vom Alp der Nacht. So liegen sie da zu Hauf. Was hat man aus ihnen gemacht.
Gurs
Like mud-clots they are lain On sacking, with straw filled. No dam holds back their pain, Their hardship is unstilled. They have no hope, no prayer, They lie there, waiting. Their life is empty, bare, A shell, breath, nothing. They wake in dread from sleep, Pressed by an evil dream, Lying there in a heap. What has been done to them?

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Utopia

Utopia

Rose Ausländer (1901-88)

Utopia
Utopia mein Land Keines größer keines schöner Hier bin ich geboren Hier will ich leben Äonenlang
Utopia
Utopia my land none greater none finer Here I was born Here may I live aeons long

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Necessary Answer to Superfluous Questions

Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen

Erich Kästner (1899-1974)

Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen
Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen. Mich läßt die Heimat nicht fort. Ich bin wie ein Baum, der - in Deutschland gewachsen - wenn's sein muß, in Deutschland verdorrt.
Necessary Answer to Superfluous Questions
I am a German from Dresden in Saxony. That is my homeland, we go together. I’m like a tree that’s grown in Germany, Germany’s where I expect to wither.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Fantasy of the Day After Tomorrow

Fantasie von Übermorgen

Erich Kästner (1899-1974)

Fantasie von Übermorgen
Und als der nächste Krieg begann da sagten die Frauen: Nein und schlossen Bruder, Sohn und Mann fest in der Wohnung ein. Dann zogen sie in jedem Land wohl vor des Hauptmanns Haus und hielten Stöcke in der Hand und holten die Kerls heraus Sie legten jeden über's Knie der diesen Krieg befahl: die Herren der Bank und Industrie, den Minister und General. Da brach so mancher Stock entzwei und manches Großmaul schwieg. In allen Ländern gab's Geschrei, doch nirgends gab es Krieg. Die Frauen gingen dann wieder nach Haus zu Bruder und Sohn und Mann und sagten ihnen: der Krieg sei aus. Die Männer starrten zum Fenster hinaus und sahen die Frauen nicht an...
Fantasy of the Day After Tomorrow
And when another war began the women all said No, locked husbands, brothers, sons, each man up, so they couldn’t go and then they went in every land to the captain’s residence with rods and paddles in their hand and hauled the wretches thence and laid each one across their knee who’d set in train this war, the heads of banks and industry, General and Minister and many rods were snapped in two many big mouths grew small and everywhere a hullabaloo and nowhere war at all. The women went back home again to where they’d left the guys and said: The war is done, you men. The men gazed dumbly through the pane, not in the women’s eyes…

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Frau Pichler Arrives in Heaven

Frau Pichlers Ankunft im Himmel

Erich Kästner (1899-1974)

Frau Pichlers Ankunft im Himmel
Lieber Gott, mein Herz ist schwer. Jetzt kommt Max, mein Mann, aus dem Büro, und ich lebe doch nicht mehr! Ich bin tot. Und das kam so: Eben trat ich zum Balkon hinaus und befühlte die gewaschnen Socken. Denn ich wußte, Max kommt gleich nach Haus, und ich dachte, sicher sind sie trocken. Auf der Straße war Geschrei. Menschen brüllten. Andre warfen Steine. Irgendwo pfiff Polizei. Und ich nahm die Socken von der Leine. Denn ich dachte, daß ich eilen müsse, und freute mich aufs Abendbrot. Plötzlich fielen auf der Straße Schüsse. Einer traf mich. Und da war ich tot. Ach, ich hätte Max so gern vorher noch ein Mal gesprochen! Werd ich nun ein kleiner Stern? Und die Nudeln werden überkochen! Wenn er heimkommt und mich liegen sieht, wird er stillstehn und es erst nicht glauben. Herr, von dem was in der Welt geschieht, dürftest du sehr Vieles nicht erlauben. Lieber Gott, mein Herz ist schwer. Max wird weinen und mich nie vergessen. Warum leb ich denn nicht mehr? Wenn ich nicht gestorben wär, würden wir jetzt abendessen…
Frau Pichler Arrives in Heaven
Lord, I’m sad. Max will arrive from the office – I’m his wife – soon. But I’m dead! I’m not alive. This is how I lost my life… Socks I’d washed, I went to check, felt them, on the balcony. Well, I knew he’d soon be back, and I thought: they must be dry. In the street, a loud schemozzle: people shouting, throwing rocks: somewhere a policeman’s whistle shrilling. I unpegged the socks, then I thought: I’ve got to hurry! Lovely supper loomed ahead. Shots were fired, a sudden flurry, I was hit. And I was dead. Speak to Max! I wasn’t given one last chance to have a word. Am I now a star in heaven? And the noodles will be charred! Coming home, he’ll see me prostrate, won’t believe. He’ll stand stock still. Lord, on earth you’ve much to put straight, things go on You should forestall. Lord, I’m sad. Poor Max! No way will his grief be ‘manageable’. Why aren’t I alive today? If I hadn’t passed away, we’d be at the supper table.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Winter Sports

Wintersport

Erich Kästner (1899-1974)

Wintersport
Wohin man sieht, sieht man Hotels. Und ringsherum liegt Schnee. Die Tannen tragen weissen Pelz, die Damen Seal und Feh. Die Leute fahren Bob und Ski am Hange hinterm Haus. Ja, und von weitem sehen sie wie Sommersprossen aus. Das Publikum ist möglichst laut. Was tut das der Natur? Sie wurde nicht für es gebaut. Und schweigt. Und lächelt nur. Im Kreise ihres Damenflors sind alle Mann im Schnee: Direktors, Doktors und Majors. Und Blubbers-Übersee. Of course! Wohin man sieht, sieht man Hotels. Für Schnee ist kaum noch Platz. Die Luft ist dick von Oui’s und Well’s und Five o’clocks mit Jazz. Die Berge und der Wasserfall verlieren jeden Sinn. Am Donnerstag ist Lumpenball. Da passen manche hin! Sie können nie bescheiden sein und finden alles nett. Und glauben, die Natur sei ein Komfort wie das Klosett. Lawinen sausen dann und wann und werden sehr gerügt. Was gehn den Schnee die Leute an? Er fällt. Und das genügt.
Winter Sports
On every side you see hotels, And snow lies overall. Trees wear white fur, and damozels Wear sealskin, fox, and squirrel. Up on the slope behind the house They ski and luge and ski: From far, they look quite curious: Summer freckles, maybe. Loud public! Nature’s nemesis. So how does she react? She plainly wasn’t built for this: She smiles with tacit tact. Amid the splendid ‘she’s and ‘her’s, The chaps all man the snow: Directors, Doctors, Brigadiers And Johnny Foreigners: Quite so! On every side you see hotels, Snow hardly gets a chance. The air is thick with oui’s and well’s And jazzy thés dansants. The mountains and the waterfall Are pointless, meaningless. On Thursdays, Ragamuffin Ball: The perfect fancy dress! They find it all extremely nice, They have no reticence. Nature’s a luxury device, Like a convenience. Whenever avalanches show, They are much criticised. And what do people make of snow? It fell. And that sufficed.

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Up from the Country

Besuch vom Lande

Erich Kästner (1899-1974)

Besuch vom Lande
Sie stehen verstört am Potsdamer Platz Und finden Berlin zu laut. Die Nacht glüht auf in Kilowatts. Ein Fräulein sagt heiser: "Komm mit, mein Schatz!" Und zeigt entsetzlich viel Haut.   Sie wissen vor Staunen nicht aus und nicht ein. Sie stehen und wundern sich bloß. Die Bahnen rasseln. Die Autos schreien. Sie möchten am liebsten zu Hause sein Und finden Berlin zu groß.   Es klingt, als ob die Großstadt stöhnt, weil irgendwer sie schilt. Die Häuser funkeln. Die U-Bahn dröhnt. Sie sind alles so gar nicht gewöhnt Und finden Berlin zu wild.   Sie machen vor Angst die Beine krumm. Sie machen alles verkehrt. Sie lächeln bestürzt. Und sie warten dumm Und stehn auf dem Potsdamer Platz herum, bis man sie überfährt.
Up from the Country
They stand in confusion on Potsdamer Platz, Berlin, they find, is a din. The night is glowing in kilowatts. ‘Come along, my sweet’ purrs a Fräulein that’s Showing indecent skin. They stand not sure what their feet are for, Stock still in utter surprise. The railroads rattle, the motors roar, They long for home where they were before, They find Berlin is outsize. It sounds as if the big city groans Because it is being told off. The houses glitter. The U-Bahn drones, They are out, far out of their comfort-zones, They find Berlin too rough. Their knees are knocking, they’re scared, they’re hexed, It’s a mess, they’re not in clover. They smile, struck dumb. And they wait, perplexed. They linger on Potsdamer Platz. What next? Somebody runs them over.

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Like a Railway

Das Eisenbahngleichnis

Erich Kästner (1899-1974)

Das Eisenbahngleichnis
Wir sitzen alle im gleichen Zug und reisen quer durch die Zeit. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir fahren alle im gleichen Zug und keiner weiß, wie weit. Ein Nachbar schläft; ein andrer klagt; ein dritter redet viel. Stationen werden angesagt. Der Zug, der durch die Jahre jagt, kommt niemals an sein Ziel. Wir packen aus, wir packen ein. Wir finden keinen Sinn. Wo werden wir wohl morgen sein? Der Schaffner schaut zur Tür herein und lächelt vor sich hin. Auch er weiß nicht, wohin er will. Er schweigt und geht hinaus. Da heult die Zugsirene schrill! Der Zug fährt langsam und hält still. Die Toten steigen aus. Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit Die Toten stehen stumm am Bahnsteig der Vergangenheit. Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit, und keiner weiß, warum. Die erste Klasse ist fast leer. Ein feister Herr sitzt stolz im roten Plüsch und atmet schwer. Er ist allein und spürt das sehr Die Mehrheit sitzt auf Holz. Wir reisen alle im gleichen Zug zur Gegenwart in spe. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir sitzen alle im gleichen Zug und viele im falschen Coupé.
Like a Railway
We’re all aboard the same chuff-chuff, We travel through existence. We’re peering out, we’ve seen enough, We’re all of us on the same chuff-chuff, None of us knows the distance. One neighbour sleeps, another sneers, A third has thoughts to share. The list of halts assaults our ears, The train goes chasing through the years, Never quite getting there. We spread our gear, we stow our gear, We find it so confusing. Tomorrow we’ll be – where? – not here. Ticket-collector looming near Smiles at us. How amusing! And where’s he bound? Blowed if he knows. He’s gone, he’s told us nowt. The powerful shrill whistle blows, The train puts on the brakes and slows And stops. The dead get out. A child gets out, the mother screams. On platforms of the past The horde of Death, unspeaking, teems. The train, time-traveller, onward steams. Everyone is nonplussed. First class, there’s hardly anyone. Plump gentleman sits proud, Breathes heavily on red plush throne. He’s well aware he is alone. Wood benches for the crowd. We’re all aboard the same chuff-chuff, Quite hopeful, just at present. We’re peering out, we’ve seen enough, We’re sitting in the same chuff-chuff, Some in the wrong compartment.

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May

Der Mai

Erich Kästner (1899-1974)

Der Mai
Im Galarock des heiteren Verschwenders, ein Blumenzepter in der schmalen Hand, fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders, aus seiner Kutsche grüßend, über Land. Es überblüht sich, er braucht nur zu winken. Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain. Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken. Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein. Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten. Die Birken machen einen grünen Knicks. Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten, das Scherzo aus der Symphonie des Glücks. Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle. Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei. Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle. O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai! Melancholie und Freude sind wohl Schwestern. Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee. Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern. Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh. Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“ Aus Himmelblau wird langsam Abendgold. Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder. Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.
May
GLAD RAGS adorn this big and merry spender; A flower sceptre fills his gentle hand. This Mozart of (in German) the ‘KaLENder’ Spreads greetings from his coach across the land. A glut of blooms! He waves, that’s all he’s needing: He waves, and rolls through groves of every hue, Fluttering finches, bluetits too, preceding, Then peacock butterflies: his retinue. Green birch-trees dip their boughs and bow and curtsey, Apple-trees at the fence blush tints of rose. A Scherzo penned by Bliss, with other Scherzi, Is played by thrushes on their piccolos. This art’s alive and breathing, beyond lifelike: We raise our hat. The coach rolls on its way. Time is sucked under in a wave of lilac. O for a year of nothing else but May! Melancholy and ecstasy are sisters, And faded blossoms fall from boughs, like snow. Each heartbeat fashions yesterdays from this-days. And happiness can hurt. May too, you know. ‘I’m back! I’m here!’ he cries. He’s welcoming us! The gold of eve replaces heaven’s blue. He greets the hills, he nods to the syringas, He smiles and smiles. The coach goes rolling through.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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