The Postcard

Die Postkarte

Eugen Roth (1895-1976)

Die Postkarte
Ein Mensch vom Freund kriegt eine Karte, Daß er sein Kommen froh erwarte; Und zwar (die Schrift ist herzlich schlecht!) Es sei ein jeder Tag ihm recht. Der Kerl schreibt wie mit einem Besen! Zwei Worte noch, die nicht zum Lesen! Der Mensch fährt unverzüglich ab – Des Freundes Haus schweigt wie ein Grab. Der Mensch weiß drauf sich keinen Reim, Fährt zornig mit dem Nachtzug heim. Und jetzt entdeckt er – welch ein Schlag! Der Rest hieß: »Außer Donnerstag!«
The Postcard
A man receives a card that states a friend with joy anticipates his visit: ‘Any day at all.’ The writing’s dire, deplorable, he writes like one who sweeps the floor: two words illegible, no more. The man sets off, no pause for breath: the house is silent, mute as death. In total puzzlement he goes home on the night train, bellicose. And now he finds – with great dismay – the last two words: ‘Not Saturday’!

Translation: Copyright © Timothy Adès

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A Load Not Needed

Unnötige Belastung

Eugen Roth (1895-1976)

Unnötige Belastung
Wer wem was nachträgt, tut nicht klug: Trägt jeder selbst doch schwer genug!
A Load Not Needed
Bearing a grudge isn’t salutary: We’ve enough stuff of our own to carry.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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The Singing Shell

Die singende Muschel

Francisca Stoecklin (1894-1931)

Die singende Muschel
Als Kind sang eine Muschel mir das Meer. Ich konnte träumelang an ihrem kühlen Munde lauschen. Und meine Sehnsucht wuchs und blühte schwer, und stellte Wünsche und Gestalten in das ferne Rauschen.
The Singing Shell
As a child I had a shell with a sea song And I could hark to that cool mouth, dream long My hope swelled, bloomed, to found wishes, forms in the far sound

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Peace and War!

Categories
German

Peace and War!

Edlef Köppen (1893-1939)

Frieden Sitzen still im Zimmer - Ich und Du Unsre Liebe redet. . . Sonst herrscht tiefe Ruh. Und wenn beide müde - Ich und Du, Küssen Deine Lippen Meine Augen zu. Krieg! Stummes Händedrücken. - Und im Morgenwehn Heiße Abschiedstränen............................................ ... Nimmerwiedersehn........ ... ... ... ... Bleigeschwärzte Wunden, - Und im Abendrot Frischgekarrte Gräber......................................... ... Schweigen herrscht und Tod...
Peace and War!
Peace Quietly sitting You and I Love-talk, deep Tranquillity When we’re weary You and I With your kisses Close each eye War! Dumbstruck handclasp Winds of dawn Hot tears parted............................................... ...No return……………….. ... ... ... ... Lead-tinged wounds Sunset gloom Fresh-dumped graves…………………………. …Wordless doom…

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Peace

Frieden

Edlef Köppen (1893-1939)

Frieden
Sitzen still im Zimmer - Ich und Du Unsre Liebe redet. . . Sonst herrscht tiefe Ruh. Und wenn beide müde - Ich und Du, Küssen Deine Lippen Meine Augen zu. Krieg! Stummes Händedrücken. - Und im Morgenwehn Heiße Abschiedstränen............................................ ... Nimmerwiedersehn........ ... ... ... ... Bleigeschwärzte Wunden, - Und im Abendrot Frischgekarrte Gräber......................................... ... Schweigen herrscht und Tod...
Peace
Quietly sitting You and I Love-talk, deep Tranquillity When we’re weary You and I With your kisses Close each eye War! Dumbstruck handclasp Winds of dawn Hot tears parted............................................... ...No return……………….. ... ... ... ... Lead-tinged wounds Sunset gloom Fresh-dumped graves…………………………. …Wordless doom…

Translation: Copyright © Timothy Adès

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DADA REED-PIPE

DADA-SCHALMEI

Richard Hülsenbeck (1892-1974)

DADA-SCHALMEI
Auf der Flöte groß und bieder Spielt der Dadaiste wieder, da am Fluß die Grille zirpt Und der Mond die Nacht umwirbt, Tandaradei. Ach, die Seele ist so trocken Und der Kopf ist ganz verwirrt, Oben, wo die Wolken hocken, Grausiges Gevögel schwirrt, Tandaradei. Ja, ich spiele ein Adagio Für die Braut, die nun schon tot ist, Nenn es Wehmut, nenn es Quatsch,- O Mensch, du irrst so lang du Brot ißt, Tandaradei. In die Geisterwelt entschwebt sie, Nähernd sich der Morgenröte, An den großen Gletschern klebt sie Wie ein Reim vom alten Goethe. Tandaradei. Dadaistisch sei dies Liedlein, Das ich Euch zum besten gebe, Auf zwei Flügeln wie ein Flieglein Steig es langsam in die Schwebe. Tandaradei. Denk an Tzara denk an Arpen, An den großen Huelsenbeck!   R. HUEL / SEN / BAG.
DADA REED-PIPE
Fluting strong and straight, no frills, Onward plays the dada fluter: By the stream the cricket trills, Night has moonlight for her suitor. Tra-diddle-da. Ah, the soul is parched and rotting And the head’s in disarray. Up above where clouds are squatting Flit the grisly birds of prey. Tra-diddle-da. Yes, I’m playing an adagio For the bride who now is dead, Call it sorrow, call it trash – O Lost, we eat our daily bread. Tra-diddle-da. Nearing daybreak’s glowing fountains, To the world of spirits wafted, It adheres to icy mountains Like a couplet Goethe crafted. Tra-diddle-da. May this dada song I’m singing Come to you with compliments, May it fly on two wings winging Like a fly in slow suspense. Tra-diddle-da. Think of Arp and think of Tzara, Think of mighty Huelsenbeck!   R. HUEL+SEN+BAG.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Question and Answer

Frage und Antwort

Werner Bergengruen (1892-1964)

Frage und Antwort
"Der die Welt erfuhr, faltig und ergraut, Narb an Narbenspur auf gefurchter Haut, den die Not gehetzt, den der Dämon trieb - sage, was zuletzt dir verblieb." "Was aus Schmerzen kam, war Vorübergang, Und mein Ohr vernahm nichts als Lobgesang."
Question and Answer
"You who’ve strayed afar, grey now, shrunken in, scar on rutted scar marks your furrowed skin: you by cares harassed, by compulsion driven: what remained at last of so much given?" "What was born of griefs, all was quickly passing: and my ear perceives only voices praising."

Translation: Copyright © Timothy Adès

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Darkness and Light

Dunkel und Licht

Werner Bergengruen (1892-1964)

Dunkel und Licht
Fenster, herbstlich verhangen von Blätter- und Tropfenfall. Seele, in Schwermut gefangen wie in schwarzem Kristall. Silbrige Strahlen vergittern die grundlose Finsternis, aber ihr Blitzen und Zittern macht erst das Dunkel gewiss. Will es schon dämmern? Schwindet der letzte schmächtige Schein? Aber das Licht, das erblindet, hört es drum auf, zu sein?
Darkness and Light
Windows are decked with autumn droplets and leaves that fall: soul is in sadness and boredom, caught in dark mirror’s thrall. Silvery rays make a lattice over the black abyss, weave their shimmers and flashes: night shall give proof of this. Is it yet twilight? passing, the last faint clarity? But the great glory, the dazzling, must it then cease to be?

Translation: Copyright © Timothy Adès

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February by Night

Nachts im Februar

Werner Bergengruen (1892-1964)

Nachts im Februar
In diesen Nächten ist der März nicht mehr weit. Rührt sich unter den Wächten die begrabene Zeit? Dumpf unterm Eise poltert der Wassermann. Wann hebt die Meise ihre Verheißungen an? Noch starren die Bäume, schwärzlich geästet, über der weißen, mondenen Fläche. Morgen tosen, vom schmelzenden Schnee gemästet, glorreich die Bäche.
February by Night
These are the nights when March approaches, and Time sleeps tight under snow-ledges. Gruff beneath ice Jack Water grouches. When will titmice strike up their pledges? Black-branched stark trees, moonlit white surfaces. Fat snowmelt streams: loud glory promises.

Translation: Copyright © Timothy Adès

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The Last Epiphany

Die Letzte Epiphanie

Werner Bergengruen (1892-1964)

Die Letzte Epiphanie
Ich hatte dies Land in mein Herz genommen, ich habe ihm Boten um Boten gesandt. In vielen Gestalten bin ich gekommen. Ihr aber habt mich in keiner erkannt. Ich klopfte bei Nacht, ein bleicher Hebräer, ein Flüchtling, gejagt, mit zerrissenen Schuhn. Ihr riefet dem Schergen, ihr winktet dem Späher und meintet noch Gott einen Dienst zu tun. Ich kam als zitternde, geistgeschwächte Greisin mit stummem Angstgeschrei. Ihr aber spracht vom Zukunftsgeschlechte und nur meine Asche gabt ihr frei. Verwaister Knabe auf östlichen Flächen, ich fiel euch zu Füßen und flehte um Brot. Ihr aber scheutet ein künftiges Rächen, ihr zucktet die Achseln und gabt mir den Tod. Ich kam, ein Gefangner, als Tagelöhner, verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt. Ihr wandtet den Blick von dem struppigen Fröner. Nun komm ich als Richter. Erkennt ihr mich jetzt?
The Last Epiphany
I took this land to my heart, like a lover, I sent it messages, sent them in swarms. I came to visit in so many forms. But in none did you recognise me, not ever. I knocked in the night, pallid offspring of Jews, A fugitive, hunted, in worn-out shoes. You called the constable, summoned the guard And even thought you were serving the Lord. I came as a feeble-minded creature, Old woman in terror with noiseless cry. But you just talked of the race of the future, And gave my ashes their liberty. An orphaned waif from the eastern marches, I fell at your feet and I begged for bread. But you were fearful of time’s revenges, You shrugged your shoulders and struck me dead. I came as a captive, a casual worker, Trafficked and sold, whipped raw, despised. You turned your gaze from the unkempt shirker. I’ve come as a judge. Am I recognised?

Translation: Copyright © Timothy Adès

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