Die Letzte Epiphanie
Werner Bergengruen (1892-1964)
Die Letzte Epiphanie
Ich hatte dies Land in mein Herz genommen,
ich habe ihm Boten um Boten gesandt.
In vielen Gestalten bin ich gekommen.
Ihr aber habt mich in keiner erkannt.
Ich klopfte bei Nacht, ein bleicher Hebräer,
ein Flüchtling, gejagt, mit zerrissenen Schuhn.
Ihr riefet dem Schergen, ihr winktet dem Späher
und meintet noch Gott einen Dienst zu tun.
Ich kam als zitternde, geistgeschwächte
Greisin mit stummem Angstgeschrei.
Ihr aber spracht vom Zukunftsgeschlechte
und nur meine Asche gabt ihr frei.
Verwaister Knabe auf östlichen Flächen,
ich fiel euch zu Füßen und flehte um Brot.
Ihr aber scheutet ein künftiges Rächen,
ihr zucktet die Achseln und gabt mir den Tod.
Ich kam, ein Gefangner, als Tagelöhner,
verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt.
Ihr wandtet den Blick von dem struppigen Fröner.
Nun komm ich als Richter. Erkennt ihr mich jetzt?
The Last Epiphany
I took this land to my heart, like a lover,
I sent it messages, sent them in swarms.
I came to visit in so many forms.
But in none did you recognise me, not ever.
I knocked in the night, pallid offspring of Jews,
A fugitive, hunted, in worn-out shoes.
You called the constable, summoned the guard
And even thought you were serving the Lord.
I came as a feeble-minded creature,
Old woman in terror with noiseless cry.
But you just talked of the race of the future,
And gave my ashes their liberty.
An orphaned waif from the eastern marches,
I fell at your feet and I begged for bread.
But you were fearful of time’s revenges,
You shrugged your shoulders and struck me dead.
I came as a captive, a casual worker,
Trafficked and sold, whipped raw, despised.
You turned your gaze from the unkempt shirker.
I’ve come as a judge. Am I recognised?
Translation: Copyright © Timothy Adès